Clartan Associés | Nachhaltigkeit in der KI-Ära: Warum STMicroelectronics seinen Kurs verdreifacht

Prysmian den Energiehunger der digitalen Welt bändigt

Die Künstliche Intelligenz verändert die Welt — aber sie hat ihren Preis. Laut einem aktuellen UN-Bericht verbrauchten Rechenzentren weltweit im Jahr 2025 rund 448 Terawattstunden Strom, davon bereits 20 % allein für KI-Anwendungen. Bis 2030 soll dieser Wert auf 945 TWh anwachsen — eine Verdoppelung innerhalb von fünf Jahren. Allein das Training großer Sprachmodelle wie GPT-4 verschlingt 50 bis 70 Gigawattstunden — mehr als manche mittelgroße Stadt in einem Monat verbraucht.

Für die Technologiebranche ist Nachhaltigkeit damit keine Frage des guten Willens mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Doch wer liefert die Lösungen, die diesen Energiehunger bändigen? Zwei Unternehmen aus dem Clartan-Portfolio stehen dabei exemplarisch für unterschiedliche, aber komplementäre Ansätze: STMicroelectronics und Prysmian.

STMicroelectronics: Effizienz beginnt im Chip

STMicroelectronics (ST) verfolgt einen doppelten Nachhaltigkeitsansatz: Das Unternehmen reduziert seinen eigenen ökologischen Fußabdruck — und entwickelt gleichzeitig Halbleiter, die den Energieverbrauch seiner Kunden drastisch senken.

Im April 2026 veröffentlichte ST seinen Nachhaltigkeitsbericht 2025 und bestätigte den Fortschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2027 — einem der ambitioniertesten Ziele der Halbleiterbranche. Konkret wurden 83 % der klimaschädlichen Produktionsprozesse bereits abgemildert, und 86 % des verbrauchten Stroms stammten 2025 aus erneuerbaren Quellen (gemäß CSRD-Regulierung). Das Ziel: 100 % erneuerbare Energie bis 2027.

Doch der eigentliche Hebel liegt im Produktportfolio. ST ist Weltmarktführer bei Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern (SiC) — einer Schlüsseltechnologie für die Energiewende. SiC-Chips ermöglichen in Elektrofahrzeugen, Solarwechselrichtern und Industrieantrieben Effizienzgewinne von bis zu 30 % gegenüber herkömmlicher Siliziumtechnologie. Für KI-Rechenzentren bedeutet das: effizientere Stromversorgungseinheiten, weniger Abwärme, niedrigere Betriebskosten.

Prysmian: Die Infrastruktur der Energiewende

Während ST im Inneren der Geräte ansetzt, liefert Prysmian die physische Infrastruktur, über die Energie und Daten fließen. Als weltgrößter Hersteller von Energie- und Telekommunikationskabeln ist das Unternehmen an einem entscheidenden Knotenpunkt der KI-Infrastruktur positioniert.

Im April 2025 veröffentlichte Prysmian seinen Nachhaltigkeitsbericht 2024 — mit beeindruckenden Zahlen: 37 % Reduktion der Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber der Baseline 2019, 54 % bei Scope-3-Emissionen und eine 3-prozentige Senkung des eigenen Energieverbrauchs im Vergleich zu 2023. Das Net-Zero-Ziel wurde auf 2035 vorgezogen — 15 Jahre früher als ursprünglich geplant.

Für die KI-Infrastruktur besonders relevant ist Prysmians Innovationsportfolio. Die E3X-Technologie reduziert die Energieverluste in Hochspannungskabeln signifikant und verbessert gleichzeitig die Netzstabilität — ein kritischer Faktor, wenn Rechenzentren immer größere Lastspitzen erzeugen. Ebenso wegweisend ist die Sirocco Extreme Fiber: eine ultraleichte, hochdichte Glasfaserlösung, die Rechenzentren mit deutlich geringerem Installationsaufwand und niedrigerem Energiebedarf vernetzt.

Den vielleicht größten Durchbruch liefert Prysmian im Bereich der Hollow-Core-Faser (HCF). Im März 2025 gab das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Relativity Networks bekannt, um HCF-Kabel in großem Maßstab für Hyperscaler zu produzieren. Diese Technologie überträgt Daten bis zu 50 % schneller und über 50 % größere Distanzen als konventionelle Glasfaser — bei deutlich geringerem Signalverlust und damit reduziertem Energiebedarf für Verstärker und Repeater. Für KI-Rechenzentren, in denen Latenz und Bandbreite direkt mit Energieeffizienz zusammenhängen, ist das ein Paradigmenwechsel.

Bis Ende 2025 hatte Prysmian bereits 78,4 Millionen Haushalte mit nachhaltiger Energie versorgt und 17,1 Millionen Haushalte mit schnellem Digitalzugang ausgestattet — auf dem Weg zu den Zielen von 110 Millionen bzw. 15 Millionen bis 2025.

Zwei Seiten derselben Medaille

STMicroelectronics und Prysmian adressieren das Nachhaltigkeitsproblem der KI-Wirtschaft auf komplementären Ebenen: ST sorgt dafür, dass weniger Energie verbraucht wird — durch effizientere Chips in Servern, Netzteilen und Kühlsystemen. Prysmian sorgt dafür, dass Energie und Daten verlustärmer transportiert werden — durch modernste Kabel- und Fasertechnologien.

In einer Welt, in der ein einziger KI-Trainingslauf so viel Strom verbraucht wie ein Haushalt in mehreren Jahren, sind solche Beiträge keine Randnotiz mehr. Sie sind das Fundament einer nachhaltigen digitalen Wirtschaft.


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