Das „E“ in ESG: Warum sich Umweltschutz bei der Geldanlage lohnen kann

Viele Investoren messen dem „E“ im ESG-Dreiklang die höchste Bedeutung zu. Umweltrisiken haben einen großen Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Gleichzeitig bieten sich für Vorreiter viele Chancen, von denen auch Anleger profitieren können.

  • Für viele Investoren hat das „E“ im ESG-Dreiklang die größte Bedeutung.
  • Der Klimawandel ist auf der einen Seiten zu einem Investment-Risiko geworden. Auf der anderen Seite profitieren nachhaltig agierende Unternehmen von der Zuwendung der Investoren und günstigen politischen Rahmenbedingungen.
  • Untersuchungen zeigen, dass Fonds, die sich auf nachhaltig agierende Unternehmen konzentrieren, oft vergleichbare oder sogar bessere Wertentwicklungen aufweisen als herkömmliche Fonds.

Immer mehr Investoren achten darauf, dass sie mit Ihrem Geld Unternehmen unterstützen, die klimafreundlich wirtschaften. Für viele ist das Thema Umweltschutz, also das „E“, das wichtigste im ESG-Dreiklang aus Umweltschutz, Sozialem („S“) und guter Unternehmensführung („G“).

Beim Umwelt- und Klimaschutz sind Unternehmen dabei gleichzeitig Akteure und Betroffene. Mit gezielten Investitionen können sie einen aktiven Beitrag dazu leisten, den Ausstoß schädlicher Emissionen zu senken oder den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu mindern. Zugleich steigt das Risiko, selbst zum Opfer der Folgen der Erderwärmung zu werden. Überschwemmungen machen vor Produktionsstätten nicht halt und Arbeiter sind aufgrund steigender Temperaturen im Sommer weniger leistungsfähig. Umweltverschmutzung und Extremwetter bedrohen vermehrt die globale Wirtschaft. Aufgrund der Abhängigkeit von weltweiten Lieferketten können sie auch für die Bilanzen von Unternehmen aus gemäßigten Regionen spürbare Folgen haben.

Nach einer Studie von McKinsey kostete die Hitzewelle von 2003 die europäische Wirtschaft rund 15 Milliarden Dollar. Hurrikan Sandy verursachte 2012 in den USA einen Verlust von 62 Milliarden Dollar.[2] Der Klimawandel ist zu einem ernstzunehmenden Investment-Risiko geworden.

Neben den physischen Schäden durch Extremwetter wirkt sich der Klimawandel vermehrt auch auf die Entwicklung von Geschäftsmodellen aus. Verändertes Verbraucherverhalten, regulatorische Änderungen und neue klimafreundliche Technologien verändern die Zusammensetzung der globalen Märkte. Unternehmen, die sich den Veränderungen nicht schnell genug anpassen, droht der Verlust ihrer Marktstellung.

Versicherungen, Stiftungen und Pensionsfonds beginnen bereits damit, sich gezielt aus Unternehmen mit einer fehlenden Nachhaltigkeitsstrategie zurückzuziehen. Die Befürchtung ist groß, dass bestimmte Unternehmen zum Beispiel in CO2-intensiven Branchen wie der Kohle- oder Ölförderung zu sogenannten „Stranded Assets“ werden. Ihre Geschäftsmodelle drohen aufgrund der Klimakrise zu scheitern, immer mehr Investoren ziehen sich zurück, und die Unternehmen könnten schnell an Wert verlieren.

Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit einer ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie von der Zuwendung der Investoren. Nach Angaben des Forums für Nachhaltige Geldanlage waren in Deutschland im Jahr 2019 269,3 Milliarden Euro in nachhaltige Finanz-Produkte investiert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum um 23 Prozent.[Disclaimer:Nachhaltige Geldanlagen sind definiert als die Summe aller nachhaltigen Fonds und Mandate, sowie Kunden- und Eigenanlagen von Spezialbanken, Quelle: https://fng-marktbericht.org/der-nachhaltige-anlagemarkt-deutschland-2/ ]Nachhaltiges Wirtschaften lohnt sich für Unternehmen inzwischen also auch aus finanzieller Sicht.

Hinzu kommt, dass die Politik die Rahmenbedingungen weiter verschärft und zusätzliche Anreize für nachhaltiges Wirtschaften schafft. So hat die EU-Kommission erst kürzlich das Ziel bekräftigt, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent auf dem Globus zu machen. Sie will dafür in den kommenden Jahren Investitionen im Wert von insgesamt 1.000 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Unternehmen und Investoren sollten von diesen Entwicklungen profitieren können.

Und der private Anleger? Ein Fokus auf das „E“ des ESG-Dreiklangs kann für Anleger durchaus vielversprechend sein. Der MSCI World Low Carbon Leaders zum Beispiel schließt Unternehmen aus, die einen hohen CO2-Austoß verzeichnen oder eine große Menge an CO2-Reserven verwalten. Der CO2-Fußabdruck des Index soll damit um 50 Prozent geringer sein als der Fußabdruck des Mutterindex. In der Vergangenheit entwickelte sich der Index ähnlich gut wie der Hauptindex und übertraf ihn im letzten Jahr sogar leicht.

Neben dem „E“ sollten Anleger aber auch den Einfluss der beiden anderen Faktoren des ESG-Dreiklang nicht unterschätzen. Häufig beeinflussen und verstärken eine gute Unternehmensführung („G“) und das soziale Engagement („S“) eines Unternehmens auch die Bestrebungen hinsichtlich des Umwelt- und Klimaschutzes. Aus Anlegersicht kann sich das „S“ außerdem positiv auf das Risiko im Portfolio auswirken und eine gute Unternehmensführung („G“) kann zusätzlich positive Effekte auf die Wertentwicklung haben.