Laut einer aktuellen Umfrage der Fondsgesellschaft AGI  halten drei von vier europäischen Investor*innen Nachhaltigkeitskriterien für wichtig. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung des deutschen Marktes für nachhaltige Geldanlagen wider. In Deutschland liegt der Anteil der Befragten, welche auf Nachhaltigkeit Wert legen, bei 73%. Doch welche Zielgruppen lassen sich besonders gut durch nachhaltige Investments ansprechen? Mit dieser Frage setzt sich dieser Artikel auseinander und so viel lässt vorwegnehmen: leicht ist diese Frage nicht zu beantworten.

Grundsätzlich werden nachhaltige Investments für alle Investor*innen immer attraktiver und interessanter. Zum einen durch das wachsende Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit (Fridays for Future, das starke Ergebnis der Grünen bei der Europawahl etc.) und zum anderen durch die bescheinigten langfristigen Renditen eben solcher Anlagen. Das Forum nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG) stellt im aktuellen Marktbericht fest, dass das aktuelle Wachstum nachhaltiger Geldanlagen entscheidend von institutionellen Investor*innen getrieben wird, denn diese halten einen Anteil von 93% aller nachhaltigen Fonds und Mandate. 2018 gab es hier einen Zuwachs von 48% im Gegensatz zu 11% durch Privatinvestor*innen.

Aus dieser Grafik ist ersichtlich, in welche Gruppen sich die institutionellen Investor*innen in Deutschland aufteilen.

Wachstum identifiziert das FNG im letzten Jahr darüber hinaus bei den Kundeneinlagen der 14 deutschen Banken mit Nachhaltigkeitsstandards. In den letzten zwölf Monaten (einschließlich Dezember 2018) wuchsen ihre Einlagen um 8% auf 38,6 Mrd. Euro. Folglich sollten auch die privaten Anleger nicht unterschätzt werden. Diese lassen sich in drei unterschiedliche Zielgruppen aufteilen.

Die erste Zielgruppe sind die klassischen Privatanleger: männlich, im Alter zwischen 40-59 und mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.500 € im Monat (Studie des NK Instituts 2017). Die zwei anderen Zielgruppen sind Frauen und Millennials. Über deren Potential gibt es aktuell schon einige anerkannte internationale Studien. Laut dem amerikanischen Finanzunternehmen Morgan Stanley interessieren sich 84% der befragten Frauen in den USA sehr für nachhaltigen Geldanlagen, im Vergleich zu 67% der Männer. Ihre Motivation ist hierbei zum einen die Vorsorge für die eigene Zukunft und zum anderen die positiven Auswirkungen, die sie mit ihrem Ersparten erzielen können.  Bei den Millennials¹ sind die Zahlen noch signifikanter: 86% der Befragten interessieren sich für nachhaltige Geldanlagen, zudem investieren sie im Schnitt jetzt schon doppelt so viel Geld in nachhaltige Investments wie der Durchschnitt der amerikanischen Bevölkerung. Dies bestätigt auch eine weltweit durchgeführte Umfrage aus der Schroders Global Investors Study 2018, für die mehr als 22.000 Anleger*innen in 30 Ländern zum Thema Nachhaltigkeit befragt wurden.

Nachhaltige Geldanlagen sind salonfähig geworden und nicht nur interessant für überzeugte Naturschützer*innen. Denn nachhaltige Geldanlagen bergen das Potential neue gesellschaftliche Gruppen als Kunden zu gewinnen, für die neben der Rendite auch ein ökologischer und sozialer Impact einer getätigten Geldanlage eine Rolle spielt.

¹geboren zwischen 1980 und 1996